Johanniskraut – Pflanzenportrait Rotöl Herstellung
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Von Myriam Veit
Johanniskraut – Lichtpflanze zwischen Heilkunst, Mythologie und Seelenkraft
Hypericum perforatum
Wenn im Hochsommer die Wiesen in warmem Gelb leuchten, beginnt die Zeit des Johanniskrautes. Kaum eine heimische Heilpflanze verbindet so eindrucksvoll Naturheilkunde, Mythologie und seelische Symbolkraft wie Hypericum perforatum, das echte Johanniskraut.
Seit Jahrhunderten gilt es als Pflanze des Lichts. Seine Blüten öffnen sich um die Zeit der Sommersonnenwende – wenn die Tage am längsten sind und das Licht seinen Höhepunkt erreicht. Vielleicht ist genau darin sein Wesen verborgen: eine Pflanze, die Licht speichert und es weitergibt – an Körper, Seele und Geist.
Botanisches Portrait
Johanniskraut gehört zur Familie der Johanniskrautgewächse (Hypericaceae) und wächst als ausdauernde Pflanze bis zu einem Meter hoch. Aus einem holzig verästelten Wurzelstock treiben zahlreiche aufrechte, feste Stängel, die meist zwei längs verlaufende Kanten besitzen.
Die Blätter stehen gegenständig am Stängel, sind eiförmig und ganzrandig. Hält man sie gegen das Licht, erkennt man kleine durchscheinende Punkte – winzige Öldrüsen. Diese Eigenschaft gab der Pflanze ihren botanischen Namen perforatum, was so viel bedeutet wie „durchlöchert“.
Die strahlend gelben Blüten besitzen fünf Blütenblätter und zahlreiche Staubblätter. Zerreibt man eine Blüte zwischen den Fingern, färben sich diese rot. Dieses Rot entsteht durch den Pflanzenstoff Hypericin, der charakteristisch für das echte Johanniskraut ist.
Volksnamen einer alten Heilpflanze
Johanniskraut trägt eine erstaunliche Vielfalt alter Namen. Viele davon verweisen auf seine mythologische Bedeutung oder seine Schutzfunktion:
Christi Kreuzblut
Herrgottsblut
Unser Liebfrauenbettstroh
Hartheu
Frauenkraut
Mannskraft
Teufelsflucht
Hexenkraut
Elfenblut
Walpurgakraut
St. Johannes Blut
Feldhopfen
Jageteufel
Diese Namen erzählen von einer Zeit, in der Heilpflanzen nicht nur medizinische, sondern auch spirituelle Bedeutung hatten.
Verwechslungsmöglichkeiten
Es existieren zahlreiche Johanniskrautarten. Einige davon ähneln dem echten Johanniskraut stark, besitzen jedoch nicht dessen heilkräftige Eigenschaften.
Ein wichtiges Erkennungsmerkmal ist das Rotfärben der Blüten beim Zerreiben. Fehlt diese Reaktion, handelt es sich meist um andere Johanniskrautarten oder Zierformen.
Perforatum bedeutet durchlöchert – diese Löcher findest Du auf den kleinen Blättchen.
Typische Merkmale des echten Johanniskrautes:
- fünf gelbe Blütenblätter ohne schwarze Striche
- spitz zulaufende Kelchblätter
- rote Verfärbung der Blüten beim Zerreiben
- Stängel mit zwei gegenüberliegenden Kanten
- Blätter mit kleinen Lichtpunkten
Blütezeit, Standort und Vermehrung
Johanniskraut blüht von Juni bis September. Seine bevorzugten Standorte sind sonnige Böschungen, Waldränder, Heideflächen, Schuttplätze und kalkreiche Böden.
Die Pflanze ist ausgesprochen robust und wächst auch auf kargen Böden. Als Lichtkeimer dürfen die Samen nicht mit Erde bedeckt werden. Häufig sät sich Johanniskraut selbst aus.
Sammelzeit und Verarbeitung
Die beste Sammelzeit liegt zwischen Juli und August, direkt zu Beginn der Blüte.
Für verschiedene Anwendungen werden unterschiedliche Pflanzenteile gesammelt
Für Johanniskrautöl (Rotöl)
Nur frisch geöffnete Blütenköpfe verwenden.
Für Tee
Den gesamten oberirdischen Pflanzenteil ernten.
Die gesammelten Pflanzen können in Bündeln getrocknet werden.
Inhaltsstoffe
Johanniskraut enthält eine komplexe Mischung wertvoller Wirkstoffe:
- ätherisches Öl (0,3–1 %)
- Bitterstoffe
- Gerbstoffe (bis 10 %)
- Flavonoide wie Rutin und Quercetin
- Hypericin und Hyperforin
- Harze
- Kohlenhydrate
- Pektin- und Fettsäuren
Diese Vielfalt erklärt die breite medizinische Wirkung der Pflanze.
Wirkung auf Körper und Nerven
Johanniskraut gehört zu den bedeutendsten Heilpflanzen der europäischen Phytotherapie.
Äußerliche Anwendung
Johanniskrautöl wirkt unter anderem:
- antibakteriell
- entzündungshemmend
- wundheilend
- schmerzlindernd
- durchblutungsfördernd
Traditionelle Einsatzgebiete sind
- Brandwunden und Sonnenbrand
- Verletzungen und Prellungen
- Muskelverspannungen
- Rückenschmerzen
- Hexenschuss
- Ischiasbeschwerden
- rheumatische Schmerzen
- Insektenstiche
- Hautreizungen
Auch in der physiotherapeutischen Behandlung wird Johanniskrautöl häufig als Massageöl verwendet.
Innere Anwendung
Innerlich wird Johanniskraut besonders bei nervösen Beschwerden eingesetzt:
- depressive Verstimmungen
- Winterdepression
- Stress und Überlastung
- Angstzustände
- Schlaflosigkeit
- nervöse Herz- oder Magenbeschwerden
Wichtig ist dabei eine regelmäßige Einnahme über mehrere Wochen, da die Wirkung sich langsam aufbaut.
Mythologie und Geschichte
Kaum eine Heilpflanze ist so reich an mythologischen Überlieferungen.
Die Germanen sahen im roten Pflanzensaft das Blut des Lichtgottes Baldur. Später übernahm das Christentum diese Symbolik und deutete sie als Blut Christi oder Johannes des Täufers.
Zur Sommersonnenwende wurden Johanniskrautkränze geflochten und über Dächer geworfen, um Häuser vor Unwetter, Blitz und bösen Einflüssen zu schützen.
Man trug die Pflanze auch als Gürtel beim Sprung über das Sonnwendfeuer – als Symbol der Reinigung und Erneuerung.
Der römische Naturforscher Plinius erwähnte bereits die wundheilende Wirkung der Pflanze.
Dioskurides setzte sie gegen Ischias ein.
Paracelsus empfahl sie bei geistigen Erkrankungen.
Und Hildegard von Bingen bezeichnete Johanniskraut treffend als „Arnika für die Nerven“.
Rezept: Johanniskrautöl (Rotöl)
Johanniskrautöl gehört zu den klassischen Hausmitteln der Pflanzenheilkunde.
Herstellung
- Ein sauberes Glas locker mit frischen Johanniskrautblüten füllen.
- Mit hochwertigem Olivenöl übergießen.
- Das Glas etwa sechs Wochen an einen sonnigen Ort stellen.
- Regelmäßig Kondenswasser aus dem Deckel entfernen.
- Sobald das Öl tiefrot geworden ist, durch ein Tuch filtern.
Das fertige Öl hält sich etwa so lange wie das verwendete Olivenöl.
Anwendungen des Rotöls
Johanniskrautöl kann eingesetzt werden:
- als Massageöl bei Muskelverspannungen
- bei Rückenschmerzen
- bei Menstruationskrämpfen
- als Badezusatz bei Stress
- bei Gelenkbeschwerden
- bei Hautreizungen und trockener Haut
- als Pflegeöl nach Sonnenexposition
Auch in Naturkosmetik findet es Verwendung, etwa in After-Sun-Produkten oder Handcremes.
Anwendung in der Tiermedizin
Johanniskrautöl
- Hautausschlägen
- nervöse Beschwerden
- rheumatische Schmerzen
Feinstoffliche Wirkung
In der energetischen Pflanzenkunde gilt Johanniskraut als Lichtpflanze für die Seele.
Es kann unterstützend wirken bei:
- Melancholie
- Selbstmitleid
- Weltschmerz
- Angst vor Veränderung
- innerer Enge
- traumatischen Erlebnissen
Johanniskraut erinnert daran, dass auch dunkle Phasen Teil eines Wandlungsprozesses sein können.
Räucherwerk
Auch als Räucherstoff wurde Johanniskraut traditionell in Schutzmischungen verwendet.
Der Duft ist krautig, heuartig und etwas sommerlich. Er gilt als:
- lichtbringend
- schützend
- klärend
Johanniskraut wurde früher um Häuser gestreut oder im Garten gepflanzt, um Schutz zu schaffen.
Aromatherapeutische Betrachtung
Das ätherische Öl des Johanniskrautes besitzt einen sehr feinen, kaum wahrnehmbaren Duft. Es wirkt dennoch stark auf das energetische Feld.
Seine Qualitäten sind
- stimmungsaufhellend
- nervenstärkend
- zentrierend
- schützend für die Aura
Besonders Menschen in sozialen, therapeutischen oder pflegenden Berufen können von dieser Pflanze profitieren.
Verwendung in der Küche
Auch kulinarisch kann Johanniskraut genutzt werden:
- Blätter und Blüten in Salaten
- als Würzkraut in Suppen
- Johanniskrautöl für Salate
Darreichungsformen
Johanniskraut kann auf verschiedene Weise angewendet werden:
- Tee
- Tinktur
- Presssaft
- Ölmazerat
- homöopathische Zubereitung
- Naturkosmetik
- Räucherwerk
- feinstoffliche Essenzen
Gegenanzeigen und Hinweise
Johanniskraut kann mit bestimmten Medikamenten Wechselwirkungen haben, unter anderem mit:
- Blutverdünnern
- Herzmedikamenten
- Antidepressiva
- hormonellen Verhütungsmitteln
Eine Kombination sollte daher nur nach fachlicher Beratung erfolgen.
Johanniskraut kann die Wirkung anderer Arzneimittel wie Phenprocumon oder Digoxin, sowie der Antibabypille herabsetzen. Kombination mit Antidepressiva nur nach Absprache mit erfahrenem Phytotherapeuten. Nicht mit L-dopa & Thyptophan. Hoch dosiert oder zur Dauermedikation nicht in der Schwangerschaft geeignet.
Ebenso in übermäßiger Dosis nicht für alle Weidetiere zuträglich.
Nicht einnehmen mit Thyraminhaltigen Lebensmitteln wie Bier, Wein, Hefe oder Käse.
Außerdem kann hochdosierts Johanniskraut die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen.
Johanniskraut als Auslöser für Photosensibilierung ist zwischenzeitlich umstritten – man ging davon aus, dass das innerlich eingesetzte Hypericin kann zum sogenannten Hypericismus führen kann, doch selbst die bei Depressionen verabreichten Dosen reichen vrmtl. nicht aus, um phototoxisch zu wirken. Das in der Kommission E u.a. Studien angenommene Phänomen bezieht sich auf das Intoxikationsbild bei Weidetieren – nicht als Beobachtung beim Menschen. Additive Wechselwirkungen z.B. mit ätherischen Ölen bei Verwendung des Öles auf der Haut sind jedoch denkbar, insbesondere bei Einsatz von Citrusölen, was im Sommer ja denkbar wäre.
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2006/daz-41-2006/uid-16610
Eine Pflanze des Lichts
Johanniskraut wächst still an Wegesrändern, auf sonnigen Böschungen und auf offenen Wiesen.
Und doch trägt es eine erstaunliche Kraft in sich:
die Fähigkeit, Licht dorthin zu bringen, wo es dunkel geworden ist.
Vielleicht ist es genau das, was diese Pflanze seit Jahrhunderten so besonders macht. Sie erinnert uns daran, dass selbst in Zeiten der Schwere ein Funke Licht in uns bleibt – bereit, wieder aufzuleuchten.
Copyright Text: Myriam Veit
Copyright Bilder: Charlotte Fischer www.lottefischer.de
Kräuterjahresgruppe
https://naowa.de/veranstaltung/1-jaehrige-kraeuter-jahresgruppe-basisausbildung-1-von-4/
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