Essbare und giftige Doldenblütler – wichtige Unterscheidungsmerkmale
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Von Myriam Veit
Essbare und giftige Doldenblütler – wichtige Unterscheidungsmerkmale
Die Familie der Doldenblütler (Apiaceae) enthält sowohl wertvolle Heil- und Nahrungspflanzen als auch einige der giftigsten Wildpflanzen Europas. Da viele Arten auf den ersten Blick ähnlich aussehen, ist eine sichere Bestimmung besonders wichtig.
Essbare und traditionelle Heilpflanzen
Wilde Möhre (Daucus carota)
Merkmale
- fein gefiederte Blätter
- oft dunkle Zentralblüte („Mohrenauge“)
- Stängel rau behaart
- riecht deutlich nach Karotte
Fenchel (Foeniculum vulgare)
Merkmale
- sehr feine, fadenförmige Blätter
- gelbe Doppeldolden
- intensiver Anisgeruch
Kümmel (Carum carvi)
Merkmale
- zarte, stark gefiederte Blätter
- kleine weiße Doppeldolden
- typischer würziger Kümmelgeruch
Engelwurz (Angelica archangelica)
Merkmale
- sehr kräftige Pflanze
- kugelige Dolden
- hohler Stängel
- aromatischer Duft
Giersch (Aegopodium podagraria)
Merkmale
- dreiteilige Blätter („Dreierregel“)
- glatter, kantiger Stängel
- aromatischer Geruch nach Petersilie/Möhre
Stark giftige Doldenblütler
Gefleckter Schierling (Conium maculatum)
Extrem giftig – schon kleine Mengen können tödlich sein.
Erkennungsmerkmale
- glatter Stängel mit violetten Flecken
- unangenehmer Mäusegeruch
- sehr große Doppeldolden
- keine Behaarung
Wasserschierling (Cicuta virosa)
Eine der giftigsten Pflanzen Europas.
Merkmale
- wächst meist im Wasser oder Sumpf
- dicke, knollige Wurzeln
- weiße Doppeldolden
- hochgiftiger Milchsaft
Hundspetersilie (Aethusa cynapium)
Wird oft mit Petersilie verwechselt.
Merkmale
- glänzende, stark gefiederte Blätter
- unangenehmer Geruch
- charakteristische nach unten gebogene Hüllchen
Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum)
Nicht tödlich giftig, aber gefährlich.
Merkmale
- bis 4 m hohe Pflanze
- riesige Doppeldolden
- Pflanzensaft verursacht schwere Verbrennungen auf der Haut
Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium)
Weniger gefährlich, kann aber ebenfalls Hautreizungen verursachen.
Merkmale
- große weiße Doppeldolden
- behaarter Stängel
- kräftiger Geruch
Wichtige Bestimmungsregeln bei Doldenblütlern
Erfahrene Botaniker verlassen sich nie auf ein einzelnes Merkmal. Entscheidend ist immer eine Kombination aus mehreren Eigenschaften:
1. Stängel
- glatt oder behaart
- gefleckt oder einfarbig
- hohl oder markig
2. Geruch
Viele essbare Arten riechen aromatisch:
- Karotte
- Anis
- Petersilie
Giftige Arten riechen oft unangenehm oder muffig.
3. Blattform
- Grad der Fiederung
- Blattgröße
- Glanz oder Behaarung
4. Hüllblätter und Hüllchen
Die kleinen Blätter unter den Dolden oder Döldchen sind ein wichtiges Bestimmungsmerkmal.
5. Standort
- Wasserpflanzen → Verdacht auf Wasserschierling
- Waldsaum → häufig Engelwurz oder Giersch
- Wiesen → viele harmlose Arten
Eine wichtige Regel aus der Wildpflanzenkunde
Unter Kräutersammlern gilt ein einfacher Grundsatz:
Wichtig: Doldenblütler nur sammeln, wenn man sie absolut sicher bestimmen kann.
Gerade Anfänger verwechseln häufig:
- Wilde Möhre ↔ Schierling
- Petersilie ↔ Hundspetersilie
- Engelwurz ↔ Bärenklau
Im Zweifel sollte man deshalb immer auf eine Nutzung verzichten.
Vertiefendes Wissen
Doldenblütler erkennen – Botanische Unterscheidungsmerkmale von Dolde, Scheindolde und verwandten Blütenständen
Die Pflanzenfamilie der Doldenblütler (Apiaceae) umfasst zahlreiche bekannte Wild- und Kulturpflanzen, darunter Möhre, Sellerie, Kümmel, Fenchel oder Engelwurz. Viele Arten sind wertvolle Heil- und Nahrungspflanzen, einige jedoch auch hochgiftig. Deshalb ist ein genaues Verständnis ihrer Blütenstände ein wichtiges Bestimmungsmerkmal in der Botanik.
Der charakteristische Blütenstand der Familie ist die Dolde, doch ähnliche Strukturen kommen auch bei anderen Pflanzen vor. Besonders häufig werden echte Dolden, Scheindolden (Trugdolden) und garbenartige Blütenstände miteinander verwechselt. Ein genauer Blick auf Aufbau und Blühfolge ermöglicht jedoch eine sichere Unterscheidung.
Die echte Dolde – typischer Blütenstand der Doldenblütler
Bei einer echten Dolde ist die Hauptachse des Blütenstandes stark verkürzt. Aus einem einzigen zentralen Punkt an der Spitze des Stängels entspringen mehrere gleich lange Blütenstiele, die strahlenförmig nach außen wachsen. Jeder dieser Stiele trägt eine einzelne Blüte oder einen kleinen Blütenstand.
Da die Blütenstiele ungefähr gleich lang sind, liegen alle Blüten nahezu auf derselben Höhe, wodurch der Blütenstand die typische schirm- oder tellerförmige Gestalt erhält.
Ein weiteres Merkmal vieler Dolden ist die sogenannte Hülle (Involucrum). Dabei handelt es sich um einen Kranz von Hochblättern, der den Ansatzpunkt der Blütenstiele umgibt. Bei zusammengesetzten Dolden können auch die kleineren Teilblütenstände – die sogenannten Döldchen – von kleineren Hüllblättern, den Hüllchen, umgeben sein.
Doppeldolde – der häufigste Blütenstand der Apiaceae
Die meisten Vertreter der Doldenblütler tragen keine einfachen Dolden, sondern Doppeldolden. Dabei verzweigen sich die Hauptstrahlen nicht direkt in einzelne Blüten, sondern tragen an ihren Enden kleinere Dolden zweiter Ordnung, die sogenannten Döldchen.
Jedes Döldchen besteht wiederum aus mehreren kleinen Blütenstielen, die gemeinsam eine Mini-Dolde bilden. Dieses verzweigte System verleiht den Blütenständen vieler Doldenblütler ihr charakteristisches filigranes Erscheinungsbild.
Ein weiteres diagnostisches Merkmal ist die Blühreihenfolge: Bei echten Dolden öffnen sich die Blüten von außen nach innen.
Garben und Scheindolden – häufige Verwechslung
Nicht jeder flache oder schirmförmige Blütenstand ist eine Dolde. Besonders häufig werden garbenartige Blütenstände oder Scheindolden mit den Doldenblütlern verwechselt.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Verzweigung der Blütenstiele:
- Bei einer echten Dolde entspringen alle Blütenstiele unverzweigt aus einem einzigen Punkt.
- Bei garbenartigen Blütenständen verzweigen sich die Blütenstiele unterhalb der Blüten mehrfach. Sie entspringen also nicht aus einem gemeinsamen Punkt, sondern aus verschiedenen Bereichen der Achse.
Durch diese Verkürzung und Annäherung der Stiele stehen die Blüten scheinbar auf einer Ebene und bilden eine Scheindolde, botanisch auch Trugdolde genannt. Trotz der optischen Ähnlichkeit unterscheidet sich ihr Aufbau deutlich von der echten Dolde.
Auch die Blühfolge liefert ein klares Unterscheidungsmerkmal:
Während Doldenblüten von außen nach innen aufblühen, öffnen sich die Blüten der Scheindolde von innen nach außen.
Pleiochasium – die Grundlage vieler Scheindolden
Viele Scheindolden beruhen auf einem bestimmten zymösen Blütenstandstyp, dem Pleiochasium.
Dabei endet die Hauptachse mit einer Terminalblüte. Direkt darunter entspringen aus einem Punkt mehrere Nebenachsen, die wiederum jeweils mit einer eigenen Terminalblüte abschließen. Unter diesen können sich weitere Verzweigungen bilden.
Oft reduziert sich die Anzahl dieser Nebenachsen im Verlauf der Entwicklung auf zwei, wodurch das Pleiochasium in ein Dichasium übergehen kann.
Eine Sonderform dieses Systems bildet die Trugdolde. Hier ist die Hauptachse stark verkürzt, und mehrere gleich lange Nebenachsen entstehen scheinbar aus einem Punkt. Da aber zusätzlich auch die Hauptachse eine Blüte trägt, unterscheidet sich dieser Aufbau von der echten Dolde.
Ein wichtiges Merkmal:
Die Terminalblüte der Hauptachse öffnet sich meist zuerst, wodurch sich die Scheindolde leicht von einer echten Dolde unterscheiden lässt.
Bedeutung für die Pflanzenbestimmung
Das Verständnis dieser Blütenstandstypen ist besonders wichtig bei der Bestimmung von Wildpflanzen. Viele giftige Arten – etwa aus der Familie der Doldenblütler – besitzen äußerlich ähnliche Blütenstände wie harmlose oder essbare Pflanzen.
Die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale lassen sich daher in wenigen Punkten zusammenfassen:
Echte Dolde (typisch für Apiaceae)
- Blütenstiele entspringen aus einem einzigen Punkt
- Stiele sind unverzweigt
- oft mit Hüllblättern (Involucrum)
- Blühfolge von außen nach innen
- häufig als Doppeldolde organisiert
Scheindolde / Trugdolde
- Blütenstiele verzweigen sich unterhalb der Blüten
- Stiele entspringen aus mehreren Punkten
- meist aus einem Pleiochasium hervorgegangen
- Blühfolge von innen nach außen
- Terminalblüte der Hauptachse öffnet sich zuerst
Die genaue Betrachtung der Verzweigungsstruktur, der Blühfolge und der Stellung der Blütenstiele erlaubt es somit, echte Dolden zuverlässig von ähnlich aussehenden Blütenständen zu unterscheiden – ein grundlegendes Wissen für Botanik, Pflanzenbestimmung und Wildkräuterkunde.
Einige Beispiele
Bei der echten Dolde entspringen alle Blütenstiele aus einem einzigen Punkt an der Spitze der Sprossachse. Die Stiele sind unverzweigt und meist ähnlich lang, wodurch die Blüten auf einer Ebene stehen und eine schirmartige Form bilden.
Typisch ist außerdem eine Hülle aus Hochblättern (Involucrum) am Ansatz der Blütenstiele.
Beispiele für Pflanzen mit einfachen Dolden
- Schwanenblume (Butomus umbellatus)
- Efeu (Hedera helix) – Familie Araliengewächse
- Primeln (Primula-Arten)
- Zwiebel (Allium cepa) – streng genommen eine kugelige Dolde
- Schnittlauch (Allium schoenoprasum)
Die Doppeldolde ist der typische Blütenstand der Doldenblütler (Apiaceae).
Hier tragen die Hauptstrahlen keine einzelnen Blüten, sondern kleine Nebendolden (Döldchen).
Die Struktur ist daher zweistufig:
- Hauptdolde
- viele kleine Döldchen mit Einzelblüten
Auch die Döldchen besitzen oft kleine Hüllblätter, die Hüllchen genannt werden.
Typische Vertreter
- Wilde Möhre (Daucus carota)
- Fenchel (Foeniculum vulgare)
- Kümmel (Carum carvi)
- Engelwurz (Angelica archangelica)
- Sellerie (Apium graveolens)
Die Scheindolde (Trugdolde) sieht äußerlich wie eine Dolde aus, ist aber anders aufgebaut.
Die Blütenstiele entspringen nicht aus einem einzigen Punkt, sondern aus mehreren Stellen einer stark verkürzten Achse. Häufig entsteht diese Struktur aus einem Pleiochasium.
Typische Merkmale:
- zentrale Terminalblüte vorhanden
- Blühfolge von innen nach außen
- Blüten stehen scheinbar auf gleicher Höhe
Beispiele
- Holunder (Sambucus nigra)
- Schafgarbe (Achillea millefolium) – eigentlich eine Scheindolde aus Körbchen
- Baldrian (Valeriana officinalis)
- Feld-Thymian (Thymus serpyllum)
- Milzkraut (Chrysosplenium alternifolium)
Die Garbe (Corymbus) ist ein traubiger Blütenstand, bei dem die unteren Blüten längere Stiele besitzen als die oberen. Dadurch stehen alle Blüten ungefähr auf einer Höhe.
Im Gegensatz zur Dolde:
- Blütenstiele entspringen an verschiedenen Punkten der Achse
- sie sind oft verzweigt
- es gibt keinen zentralen Ansatzpunkt
Die Struktur wirkt dadurch ähnlich wie eine Dolde, ist aber botanisch eine abgeflachte Traube.
Beispiele
- Schlehe (Prunus spinosa)
- Weißdorn (Crataegus monogyna)
- Birne (Pyrus communis)
- Apfel (Malus domestica)
- Spierstrauch (Spiraea-Arten)
Das Pleiochasium ist ein zymöser Blütenstand, bei dem die Hauptachse mit einer Blüte endet. Darunter entstehen mehrere gleichwertige Seitenachsen, die ebenfalls jeweils mit einer Blüte abschließen.
Wichtige Merkmale:
- Hauptachse endet mit einer Terminalblüte
- darunter entstehen mehrere Nebenachsen
- diese tragen wiederum eigene Terminalblüten
Viele Pleiochasien wirken optisch wie kleine Dolden, sind aber genetisch und morphologisch anders aufgebaut.
Beispiele
- Sonnwend-Wolfsmilch (Euphorbia helioscopia)
- Zypressen-Wolfsmilch (Euphorbia cyparissias)
- Christusdorn (Euphorbia milii)
- Kartäusernelke (Dianthus carthusianorum)
- Seifenkraut (Saponaria officinalis)
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